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Reise nach Dubai im Januar 2000




Vorwort

Dies ist mein persönlicher Reisebericht (mit ca. 20 DIN A-4 Seiten), rein subjektiv und ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit, Objektivität, oder Gerechtigkeit in der Sache. Gleichfalls sind mir die Ausdrucksweise und der Stil meiner Aufzeichnung völlig schnuppe; wie es mir aus der Feder (oder besser aus dem Computer) fließt, so steht es eben geschrieben. Mir geht es einzig und allein darum, für mich persönlich - wenn auch lediglich aus der Erinnerung - meine Erlebnisse, Eindrücke, Empfindungen und Gedanken während der Reise festzuhalten. Erstens weil's mir Spaß macht und zweitens weil ich hoffe, dass ich mich später mal darüber freue. Wer es also außer mir lesen will, der hat selbst Schuld und ist selbst dafür verantwortlich.
Jede Ähnlichkeit der handelnden Akteure im Bericht mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig und soll keinen verschnupfen.

Burghard




Das letzte Jahr des Jahrtausends hat es wirklich nicht gut mit uns gemeint. Die lange, schwere Krankheit von Papa, Gabis Vater, ging ans Gemüt und bedeutete Arbeit über Arbeit für Gabi. Auch unsere so geliebte Cockerhündin, unser Lenchen, hatte im Laufe des Jahres erhebliche gesundheitliche Probleme und bereitete Sorge. An Urlaub in ferneren Gefilden war nicht mehr zu denken. Dann der zutiefste Schock und Schmerz am 1. Dezember: In unserem Beisein mußte unser Lenchen eingeschläfert werden. Mit unserem toten, in ihre Lieblingsdecke eingewickelten Lenchen im Auto fuhren wir tränenüberströmt nach Krefeld-Fischeln und beerdigten sie auf dem so reizend gepflegten Hundefriedhof. Jeweils einen Socken von Gabi und mir bekam sie mit ins Grab; denn zum Schlafen hatte sie nun mal stets einen (geklauten) Socken im Körbchen gebraucht. Exakt 2 Wochen später schloß dann auch Papa für immer die Augen. -- Die Nerven liegen blank und wir sind erholungsbedürftig wie schon lange nicht mehr. Wir brauchen jetzt einfach Abstand (auch räumlichen) von den Geschehnissen der letzten Zeit, um zu verdauen, zu verarbeiten und zu regenerieren.

Und damit sind die Pflöcke für einen Urlaub gesetzt: Es muß auf jeden Fall Sonne, Sand und Meer sein !! Und wir wollen uns wirklich den eigenen "Ar..." nachtragen lassen. Also muß es dort luxuriös, zumindest sehr komfortabel sein. Es darf aber kein Ort sein, den wir schon kennen und er muß - um bei mir als echter Urlaub eingestuft zu werden - außereuropäisch liegen. Andererseits darf das Urlaubsdomizil aber keine vielfältigen Naturschönheiten in erreichbarer Entfernung aufweisen, denn ich weiß schon aus Erfahrung, ich würde bereits nach wenigen Tagen unruhig werden und auf Erkundungen losziehen wollen. Fast zwangsläufig ergibt sich für mich damit das ins Auge zu fassende Ziel: Es kann eigentlich nur Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf sein, folglich die Heimat von Sindbad dem Seefahrer und Aladin mit seiner Wunderlampe. Die ebenfalls naheliegende Stadt Sharjah bzw. das gleichnamige Emirat mit seiner umfangreichen touristischen Infrastruktur hatte für uns ohnehin auszuscheiden, da dort absolutes Alkoholverbot besteht und somit Stockschläge zu befürchten wären. Gabi ist deshalb mit meinem Vorschlag Dubai auch sofort einverstanden.

Noch vor Weihnachten sitzen wir denn im Reisebüro und hören von den umfangreichen Bauarbeiten, die um die diversen Dubaier Hotels herum stattfinden. Empfohlen wird uns das "Jebel Ali Hotel & Golf Ressort", ca. 45 km südlich von Dubai Stadt mit seinem unendlichen Sandstrand. Ok !! ( Vorab sogar zu besichtigen im Internet: Hier). Angesichts der recht deftigen Preise des 5-Sternehotels - mindere Hotels gibt's in Dubai wohl nicht - entscheiden wir uns gegen ein Zimmer mit Meeresblick. Wichtig erscheint mir allerdings, Halbpension zu buchen, denn in solchen Hotels à la carte essen zu müssen, bekommt jedenfalls (wie ich aus früheren Besuchen genügend kenne) unserem Geldbeutel nicht. Ein Abflug am 13.01. mit Swissair statt Emirates Airline, ergibt noch eine Ersparnis von fast 800,--DM, die wir gerne in Kauf nehmen, wenn auch ein Umsteigen in Zürich damit verbunden ist. Die Tickets mit Platzreservierung werden sofort ausgedruckt. Bleibt nur noch den Visumantrag auszufüllen und wir schon können uns von der äußerst rührigen und attraktiven Verkäuferin mit Dank für die ausgezeichnete Beratung verabschieden. - Ein späterer Blick auf das Ticket will mir allerdings gar nicht gefallen. Denn dort steht klar und deutlich: "nonsmoker flight".

Um 6.30 morgens stehen Gabi und ich am Schalter von Swissair im Düsseldorfer Flughafen. Die Dame fragt nach unseren Pässen. Vergeblich sucht sie darin nach unserem Visum für Dubai und verkündet alsdann "Ohne Visum kann ich Sie leider nicht einchecken". Gott sei Dank hatte ich mir gerade am Vortage noch die gleiche Frage gestellt und bei Jonen um Auskunft gebeten. Im Voucherheft sei ein entsprechender Vermerk der Hinterlegung des Visums in Dubai enthalten, war die Antwort. Wir dürfen reisen; eine Zigarette ist jetzt aber fällig, wenn auch unehrenhaft außerhalb des Flughafengebäudes. Gleichzeitig vergewissere ich mich nochmals, daß die von Helga (Apothekerin) besorgten Nikotinkaugummis auch tatsächlich in meiner Jackentasche stecken. Um ehrlich zu sein, ich bin selbst mal gespannt, wie ich meinen ersten längeren Nichtraucherflug so überstehen werde. Im Dutyfree wird die für unsere Fernreisen obligatorische Pulle Osborn gekauft, eine weitere Zigarette genehmige ich mir noch und los geht's.

Eine Stunde Flug bei gutem Wetter und schöner Sicht auf die Alpen zunächst bis Zürich. Eine weitere Stunde Aufenthalt - mit herzlich willkommener Zigarettenpause - bis wir den nagelneuen Airbus besteigen dürfen. Nach halbstündiger Verspätung fahren wir los und fahren und fahren, wohin weiß ich eigentlich auch nicht. Jedenfalls dauert`s eine weitere halbe Stunde bis der Vogel endlich die Startposition erreicht und abhebt. Der Flug geht zunächst entlang des nördlichen Voralpengebiets mit herrlichem Blick rechter Hand auf die schneebedeckten Berge, nach Kurskorrektur auf Süd-Ost dann über den Plattensee, Rumänien und Bulgarien. Serbien wird dabei exakt vermieden. Quer über die Türkei geht's weiter, das östliche Mittelmeer mit Zypern wird gestreift, der Libanon und auch Damaskus werden überflogen. Erstaunlich, bereits auf der gesamten Strecke selbst bis in diesen tiefen Süden bleiben die Berge verschneit. Auf dem kleinen Monitor im Vordersitz läßt sich die Flugroute bestens verfolgen und alle möglichen Flugdaten werden zudem eingeblendet. So weiß ich denn auch immer genauestens, in wieviel Stunden und Minuten ich meine erste Zigarette wieder genießen werde. Noch sind's aber 158 Minuten. Die Abstinenz macht mir eigenartigerweise allerdings gar nichts aus. Dies gilt sogar bis Dubai, denn die Kaugummis bleiben unberührt in der Tasche. Dafür schmecken die beiden Fläschchen Rotwein aus der Schweiz um so besser.

Der weitere Weg folgt exakt der Grenze zu Saddams Irak, wenn auch in gehöriger Entfernung über Saudi Arabiens Wüstengebiet. Über dem Golf wird's schnell dunkel und die ersten Abfackelungslichter glänzen wie strahlende Juwelen unten im Meer. Die drei Stunden Zeitverschiebung machen sich bemerkbar; die Uhr wird vorgestellt. In der Ferne taucht das riesige, rötlichgelbe Lichtermeer von Dubai auf mit den weit ins Land hineinreichenden funkelnden Ketten der Straßenleuchten. Wieder ein beeindruckender Anblick, den ich allerdings auch schon bei früheren Zwischenlandungen genossen hatte. Selbst die hell angestrahlten Moscheen mit ihren Minaretten werden jetzt filigran sichtbar. Nach einem herrlich ruhigen Flug und zwei Ehrenrunden über der Stadt setzt der Vogel auf; Dubai ist erreicht. Endlich, endlich wieder in fernen Landen, geht es mir durch den Kopf.

Allzu warm ist es hier allerdings nicht, stelle ich als erstes beim Verlassen der Maschine fest. Der Bus rollt auf dem Flughafengelände - wegen gewaltiger Bauarbeiten an jeder Stelle - hin und her und entläßt uns erst an einem wenig ansprechenden Gebäude, zudem noch hinter einem Bauzaun. Dieser Empfang ist wirklich nicht toll, hatte ich doch eine ganz andere Erinnerung an den Flughafen wegen des weltbekannten und überragenden Duty Free Shops. Dennoch will ich hier draußen erst mal eine Zigarette rauchen; wer weiß ob's drinnen geht. Schon nach wenigen Zügen sehe ich allerdings im Gebäude unser Visum in Gestalt der DER-Tour-Reiseleitung winken. Also Zigarette wieder aus. Ein bisschen Gedanken wegen des Visums hatte ich mir auf dem Flug schon gemacht, denn mir wollte nicht recht in den Kopf, wie ein Visum noch vor der Paßkontrolle in unsern Paß kommen sollte. Beruhigt habe ich mich und Gabi damit, daß wir wohl nicht die ersten Gäste von DER-Tour in Dubai sind. Die Kontrolle der Vorstehenden dauert. Wie üblich - jedenfalls in vielen außereuropäischen Ländern - die männlichen Kontrollpersonen werden einfach nicht fertig und stehen sich bei der Arbeit offenbar selbst im Weg. Gott sei Dank, eine weibliche Kraft ist auch dabei und wir werden zu ihr herübergewinkt. (In Deutschland ist aber alles anders! ) Der Stempel prangt schnell im Paß, die Koffer sind auch schon da und eine zweite Reiseleitung erwartet uns. Da wir den Hoteltransfer absichtlich nicht mitgebucht hatten - wir würden nämlich das letzte anzulaufende Hotel sein, wie uns die geschäftige Jonendame zutreffend bedeutet hatte - werden wir zu den Taxen mit Taxametern verwiesen. Sie nehmen auch problemlos Dollars, wird auf meine Frage erklärt. (Dadurch vergessen wir dummerweise einen sofortigen Geldumtausch, der für einen Weltreisenden eigentlich selbstverständlich sein müßte. Das Versäumnis ärgert mich noch heute.) Jetzt ist aber endlich Zeit für ein gemütliches Zigarettchen. Ich genieße es in vollen Zügen. Das Hotel kann von mir aus warten.

Über 4-, 6- und 8-spurige in volles Licht getauchte Straßen geht's durch das Zentrum von Dubai. Autobahnen zweigen ab oder münden ein, Unterführungen werden durchfahren und Brücken genommen. Eine schon gewaltige und beeindruckende Infrastruktur bietet sich uns. Und alles hellstens erleuchtet. Man merkt, Energie ist hier absolut kein Thema. Und Geld ist reichlich vorhanden. Glitzernde, schlanke mit verschieden-farbigen Glasfassaden verkleidete Hochhäuser bis hin zu Wolkenkratzern reihen sich aneinander. Und es scheint, alles ist neu und teilweise wohl noch gar nicht benutzt. Unser Fahrer rauscht dahin, überholt links und auch rechts, offenbar ist beides erlaubt. Mal fährt er besonders schnell, läßt sich dann aber wieder zurückfallen und die gerade überholten Autos überholen nunmehr uns. Einen Sinn entdecke ich in seiner Fahrweise aber nicht. Die Straßenbeschilderung ist stets zweifach gehalten, einmal in arabischer Schrift und zum anderen in Englisch. Wir befinden uns auf der achtspurigen Ausfallstraße und Autobahn nach Abu Dhabi wie ich dadurch feststelle. Die Häuser werden niedriger, gewerbliche Gebiete ziehen vorbei und die ersten Blicke öffnen sich linksseitig in trostloses, kahles Halbwüstenland. Rechter Hand scheint das Lichtergewimmel aber nicht mehr aufhören zu wollen, obgleich wir sicher schon an die 15 km gefahren sind.

Ein durchsichtig blau und teilweise violett angestrahltes gewaltiges, jedoch eigenartiges Gebilde wird in der Ferne sichtbar. Beim Näherkommen wird mir klar, das kann eigentlich nur das hypermoderne, erst im vergangenen Dezember fertiggestellte Super-Luxushotel in der Form eines Dhau-Segels sein. Es sei im Fernsehen ausführlich gezeigt worden, wußte unser Hausnachbar Vogler gerade 2 Tage vor unserer Abreise zu berichten. "Ich schau mir`s lieber in Natura an", konnte ich - ohne dabei rot zu werden oder als überheblich zu erscheinen - denn darauf antworten. Es ist wirklich eine mehr als eigenwillige Konstruktion die dort einige hundert Meter entfernt vorbeizieht und Gabi hat exakt denselben Gedanken wie ich: Es sieht eher wie ein riesiges Insekt aus. Das rechte Lichtermeer, das unmittelbar ab unserer Straße beginnt, wird noch beeindruckender, nach links nur dunkle Wüste. Unser Taxi fährt mit ca. 150 km/h auf der weiterhin hell erleuchteten Autobahn bis ein Abfahrtsschild mit Jebel Ali Hotel & Golf Resort auftaucht. Es markiert zugleich das abrupte Ende des Lichtermeeres. In der Ferne schimmert jetzt im Dunkel - wirklich wie aus Tausendundeiner Nacht - ein in rötlichgelbes Licht getauchtes Märchenschloß; so sieht`s jedenfalls aus. Wir halten genau drauf zu, durchfahren ein pompöses Eingangstor, den sich öffnenden herrlichen Palmenpark bis der Eingang unseres Hotels hinter künstlich angelegten Hügeln erscheint. Genau eine Stunde hat die rasante Fahrt gedauert, wie ich mir für die Rückfahrt merke. 92 Dirham steht auf dem Taxameter. 30 $ bedeutet uns der herbeigeeilte Portier und nicht mehr.

Die Hoteltüren werden weit aufgerissen und Gabi und ich stehen in der großzügigen mit gewaltigen Ledersesseln ausgestatteten Eingangshalle und dem lustwandelnden Publikum. Es ist genau 20.58 Uhr wie ich später aus der Hotelrechnung entnehmen werde. Die Formalitäten sind schnell erledigt: Zimmer 138. Das gefällt mir nicht so recht - I Etage. Einer der mit dickem Teppichboden auslegten, feudalen Aufzüge bringt uns hinauf. Erstes Zimmer rechts 134, 136 dann 138. Das gefällt mir noch weniger. Das Zimmer ist jedoch gediegen und mit gutem Interieur ausgestattet. Wichtiger erscheint mir dennoch ein erster schneller Blick nach draußen. Also Vorhang auf und … direkt unter unserem kleinen Balkon breitet sich die weite, grobe Betondachfläche der Hotelhalle aus und rechts erscheint eine vorspringende, hohe - wenn auch warm angestrahlte - Hauswand, in deren Nischen friedlich die Tauben sitzen. Wir brauchen erstmal einen Schluck Cognac. Gabi meint dabei, wir sollten es so belassen, da wir ohnehin meist am Strand sitzen werden. Ich geh nochmals raus. Das soll das Land von Sindbad dem Seefahrer und Aladin mit seiner Wunderlampe sein? Statt eines aufregenden Blickes auf den Riesenvogel Greiff nur friedlich schlummernde Tauben und statt Wüstensand und Meer zu meinen Füßen, weithin ausgegossener Beton garniert mit haufenweise Taubendreck? Nein und abermals nein !! Erbost fahre ich wieder runter und verlange kompromißlos ein neues Zimmer. Das sei allerdings erst morgen möglich, da heute alles ausgebucht sei, wurde mir bedauernd erklärt. Ein weiterer Schluck Osborn ist fällig.

Wir wollen uns jetzt aber nicht weiter ärgern, machen uns lieber frisch und gehen nach unten, um einen ersten Eindruck von unserer neuen Umgebung zu bekommen. Die Halle ist wirklich eines 5-Sterne Hotels würdig mit den diversen Gold- und sonstigen Shops. Wir gehen noch eine Etage tiefer, um nach draußen zu gelangen. Eine weite, äußerst gepflegte Rasenanlage mit Hunderten von Liegestühlen und herrlichen Palmen liegt vor uns. Und dahinter der schneeweiße, breite Strand und das dunkle Meer. Alles auch hier wunderschön beleuchtet. Nach rechts hin ein Jachthafen mit hinausragender Mole. Wir wandern mit Genuß durch die Anlage bis zum Strand vor. Das Rauschen des Meeres betört und wir atmen kräftig durch angesichts des Schönen um uns herum. Auch der rückwärtige Blick auf das warm beleuchtete, herrschaftliche und ausladende Hotelgebäude begeistert uns. Drei tolle, auf verschieden Ebenen angelegte Pools sind vorhanden mit kleinen plätschernden Bächlein dazwischen. Sogar Zierfische schwimmen drin. Uns wird klar: Eine bessere Wahl hätten wir wirklich nicht treffen können.

Zurück in der Halle frage ich nach dem Essraum für unsere Halbpension. Wir könnten in allen 5 Restaurants des Hauses essen oder schräg gegenüber zum Buffet gehen; die Halbpension würde zum gebuchten Tarif angerechnet. Also ab zum Buffet. Wir werden sofort von einer zierlichen Asiatin in rotem Sari empfangen: "smoki or no smoki ?" haucht sie weich. Smoki. Sie stöckelt vorweg an zwei langen Buffettresen vorbei, die unsere Herzen (weiß Gott) höher schlagen lassen ob der herrlichsten Farben, der unglaublichen Fülle und der phantastischen Dekorationen in und um die dicht beladenen Silbertabletts. Unser zugewiesener Tisch steht zudem bestens in einem kleinen Vorbau des Raumes mit voller Fensterbreite und einem märchenhaften Blick durch die Palmen bis hin aufs Meer. Die Serviette bekomme ich noch auf den Schoß gelegt und ein sofort herbeigeeilter Kellner fragt nach unseren Getränkewünschen. Die Karte enthält alles, was das Herz begehrt. Ich bestelle jedoch ein schönes, großes Bier; Gabi schließt sich an. Und dann beginnt der Schmaus. Wieviel Teller ich verbrauche, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls geht's von Lachs über Hummerschwänze, Austern, Krabben, Skampis, geräucherten Entenscheiben, verschiedenfarbige Sößchen bis hin zu Schinkenröllchen, Salat- und Gemüseplatten sowie Käse in allen Variationen. Vielleicht noch ein Häppchen von den leckeren, winzigen Fleischspießchen? Es geht eigentlich nichts mehr. Aber da ist doch noch das so mühevoll, fleißig und farbenprächtig hergerichtete Dessertbuffet. Man darf es einfach nicht auslassen, es wäre wirklich ungerecht. Ein zweites Bierchen bringt irgendwann den würdigen Abschluß in unserem Magen, bevor wir endgültig, endgültig beide kapitulieren.

Gabi und ich schaun uns an und wir wissen jetzt mit Bestimmtheit: Hier sind wir wahrlich richtig. Die Rechnung kommt…die Augen werden - trotz der Müdigkeit - wieder groß. Ich schlucke, ein Bier ca. 10,--DM. Und dann ist noch das Buffet ausgewiesen. Ich schlucke nochmals. Rund 220,--DM ergibt unsere mühevolle Umrechnung. Mein Hinweis auf die Halbpension wird mit einem freundlichen "no problem" beantwortet, es würde später verrechnet werden. Ich nehme mir allerdings strikt vor, schnellstens unsere Reiseleitung zu konsultieren, bevor ich nochmals das so überaus leckere Abendbuffet ansteuern werde. - Die Tauben schaue ich mir vor dem Schlafengehen nicht mehr an; ich ignoriere sie.

Wir wachen erst gegen 9.00 Uhr auf und das wird für die nächsten zwei Wochen auch so bleiben. Ein Briefchen ist unter der Tür hindurchgeschoben und enthält freundliche Willkommensgrüße vom Manager "soundso". Ebenfalls liegt - wie auch an allen weiteren Tagen - ein Tagesplan über die Freizeitaktivitäten des Hauses sowie über die Happy-Hours der diversen Restaurants bei. Selbst der tägliche Goldpreis ist ausgewiesen. Es klingelt; der Roomboy stellt sich vor und überreicht die englische Tageszeitung von Dubai. Bevor wir runtergehen, genehmige ich mir noch schnell eins der leckern, im Zimmer auf Zuspruch wartenden Plätzchen. An der Rezeption erkundige ich mich als erstes nach dem neuen Zimmer. Ausweichend wird allerdings geantwortet und von Problemen mit kommenden Gruppen gesprochen. Ich sage dem Herrn klipp und klar: Ich gehe nunmehr frühstücken und danach erhalte ich ein neues Zimmer oder ich möchte umgehend den Chef des Hauses sprechen.

Der Empfang im Eßraum ist Ritual wie gestern Abend. "Smoki or no smoki" mit anschließendem Vorbeimarsch an den wieder überquellenden Tresen bis zur hinteren Sektion. Die schöne Nische ist diesmal allerdings schon belegt. Dampfender Kaffee wird umgehend eingegossen und Gabi und ich gehen auf Besichtigungstour. Man muß den Anblick auch des Frühstücksbuffets erst mal genießen. Dann werden wieder die diversen Häppchen sorgfältigst ausgesucht und peinlich darauf geachtet, daß nicht zu große Stücke auf dem Teller landen. Denn hier nur wenige, aber größere Happen zu nehmen, wäre schlicht dümmste Torheit. Es sticht einem fast ins Herz, das doch so herrliche Ensemble zerstören zu müssen; aber es muß einfach sein! Kleiner Joghurt mit Erdbeere und Mangosaft, Früchtehäppchen nach Farbe ausgewählt, frisch in kleiner Pfanne zubereitetes Rührei mit Speck, Käsevariation mit winzigem Brötchen, dazu als Abrundung diverse Wurstscheibchen, jedoch ohne Brötchen. Zu allem, vor allem zwischendurch, dürfen aber auch die vielen sonstigen kleinen, leckeren Schweinereien keinesfalls fehlen. Abschließend - wenn auch ganz erheblich später - dann noch ein obligatorischer Besuch am Nachtischsbuffet zwecks winziger farbiger Törtchen, eingelegter Früchte und roter Grütze mit weißem Sahnehäubchen. Das Aufstehen fällt schwer, aber Strand und Meer locken.

Zunächst jedoch die Pflicht. Der Spezi von vorhin hat sich offenbar aus dem Staub gemacht. Eine jüngere Frau hat dafür Platz genommen, auf die Gabi mich gleich aufmerksam macht. Sie spricht perfekt deutsch, ist wohl auch eine Deutsche. Der Computer wird befragt und ich höre: Ja, 316 wird frei. Die Zahl klingt wie fröhliches Vogelgezwitscher in meinen Ohren, bedeutet sie doch: III Etage, linker Trakt, Mitte. Ich erkläre mich sofort einverstanden. Allerdings müßten wir uns noch bis 12.00 Checkout-Time gedulden. Mit dem Versprechen, daß die Reservierung sicher sei und meiner Drohung, daß ich um Punkt 12.00 Uhr hier stehen werde, gehen wir mit frischem Elan und Freude nach draußen. Jeder erhält noch ein großes Handtuch; zwei Liegestühle nahe am Strand werden ausgesucht. Wir legen uns drauf, beginnen uns zu strecken, zu aalen und gemütlich zu räkeln ob der herrlichen Umgebung und der warmen Sonne, seufzen tief durch und fangen vor Vergnügen an zu jammern, wie hart doch das Leben im Allgemeinen und auch im Speziellen so ist… Nach einem späteren kleinen Rundgang am Strand geht's zurück zur Rezeption. "316 ist jetzt frei" hören wir mit Wohlgefallen. 138 räumen wir umgehend und fahren die 2 Etagen mit vollem Gepäck nach oben. Auf den Boy wollen wir nicht warten. Die Karte wird ins Schloß gesteckt und die Tür springt auf. Lichtdurchflutet und freundlich wartet das Zimmer, der Vorhang steht weit offen. Eilig geht's auf den kleinen Balkon und mein Herz wird weit; der Blick geht vom Wüstenhorizont über die grüne, hügelige Golfanlage garniert mit Palmen, dem nahen Palmenpark bis zur Blütenpracht direkt vorm Haus. Rechts wird noch ein kleiner Ausschnitt des blauen Meeres sichtbar und unten schlägt gerade ein Pfau vor Freude ein Rad und läßt seinen gezogenen Schrei erschallen "iau" (mit Betonung auf au). Ja, das isses. Gabi und ich strahlen. Zwei Wochen Urlaub stehen vor uns.

Der Nachmittag und auch der Samstag werden genußvoll mit Sonne, Sand, Meer und "Fressen" verbracht. Heute am Sonntag wartet allerdings die Wüste mit der Oase Al Ain auf uns. Die hübsche Julia mit ihrem Busfahrer ist pünktlich. 8.00 Uhr. Zurück geht's nach Dubai-Stadt zwecks Aufsammelns weiterer Gäste. Das nächtliche Lichtermeer sei der größte Freihafen der Welt, erklärt Julia. Für 20 Jahre brauchten die vielen Firmen dort keine Steuern zahlen und - noch wichtiger - sie könnten in vollem ausländischen Besitz bleiben und auch Grundeigentum erwerben. Beides ist ansonsten in den Emiraten nicht möglich; jede Firma muß mindestens zu 51 % einheimisch bestimmt sein. Die vielen feudalen Hotels am Jumairabeach werden abgeklappert und wie sich nun tatsächlich zeigt, dahinter eine einzige, riesige Baustelle. Die zusteigenden Gäste, im wesentlichen deutsch- und englischsprechend, tun uns leid.

Das Dhau-Segel mit dem Namen "Burj Al Arab", auf einer künstlichen Halbinsel gelegen, taucht auf und ca. 300 m davor die sog. Welle als Ensemble - ein zugehöriges weiteres, modernstes Hotel in entsprechender Wellenform. Letztere wird von uns angefahren und ist mehr für Normalsterbliche gedacht. Einen kurzen Blick werfe ich in die faszinierend ausgestaltete Kuppel der Eingangshalle. Durch die blau abgedunkelten Außenscheiben geht die Sicht auf das 308 m hohe Dhausegel mit seinem luftigen, runden Hubschrauber-Landeplatz und den beidseitig überhängenden Restaurants. Ich fotografiere es. Hildegard Knef sei gerade Gast im Segel, weiß Julia zu berichten; und daß es dort ausschließlich Suiten über zwei Etagen gebe, die bis zu 25.000,-DM pro Übernachtung kosteten. Was aber wollen wir mit einer Suite von über 300 qm, frage ich Gabi. Weit unter der Oberfläche soll zudem ein Restaurant eingebaut sein mit Blick direkt ins Meer. Dies höchste Hotel der Welt hat sieben Sterne bekommen, obgleich es das eigentlich nicht gibt. Mit dem Geld des Eigentümers und gleichzeitigen Verteidigungsministers - ein Bruder des amtierenden Scheichs von Dubai - ist aber offensichtlich alles möglich. Besichtigen kann man das Segel auch - für 50 DM. Allerdings nur mit Krawatte, wie wir später von abgewiesenen, bitter enttäuschen Gästen erfahren.

Der nächste Stop ist am Kamelrennplatz. Und tatsächlich, ganze Pulks an Kamelen rennen (bis zu 40 km/h) die 8 km lange und bis in die Ferne einsehbare Strecke zu Trainingszwecken ab. Es ist schon ein irres Bild, die Kamele mit den wippenden Lippen, den werfenden Beinen und dem kleine Floh hintendrauf - etwa 5-jährige Buben - laufen zu sehen. In stetem Strom kommen neue Kamele, nass geschwitzte Kamele verlassen die Bahn. Die Rennbegeisterung der Emiratis ist auch der tiefere Grund, daß es heute hier mehr Kamele als zu Karawanenzeiten gibt. Bis Al Ain sind denn immer irgendwo in der Wüste auch Kamele zu sehen. Beste Rennkamele kosten übrigens bis zu 3 Mio. Nieten dagegen können durchaus auf dem Teller landen. Nicht weit entfernt nun der Pferderennplatz, vorbei am durch Palmen verborgen Palast des regierenden Scheichs und die Wüste beginnt. Es ist eigentlich nur Halbwüste, denn zumindest die Salzbüsche finden hier durch den Morgen- und Abendtau noch ihr kärgliches Überleben. Auf einer vierspurigen Autobahn rauschen wir dahin. Beidseitig ist sie mit schmalen Streifen aus Büschen und Bäumen bepflanzt und der mit Planken eingefaßte Mittelstreifen - wie in Deutschland - begrünt. Alles muß allerdings bewässert werden. Endlose Wasserschläuche ziehen sich dahin und betropfen im wahrsten Sinne des Wortes- wie Julia jeweils in deutsch und englisch erklärt - rund um die Uhr jede einzelne Pflanze. Von der Uni in Al Ain wird zudem versucht herauszufinden, welche Büsche und Bäume aus aller Welt sich hier als Straßenschutz gegen Wind und Wüstensand am besten eignen. Die Bodenfarbe der Wüste wechselt allmählich von weißlich-grau zu rötlich, da der Muschel- und Korallensand der Küstenzone kaum noch bis hierher weht und der Boden weniger salzhaltig ist. Der rostrote Erosionssand des Hajargebirges gewinnt immer stärker Oberhand und auch die Dünen werden - wenn auch nur vorübergehend - merklich höher und kahler.

Die Grenze zum Emirat Abu Dhabi wird überschritten. Es zeigt sich augenfällig darin, daß exakt ab der Grenze der Mittelstreifen jetzt mit Blumen verziert ist. Abu Dhabi ist nämlich das reichste und größte der insgesamt 7 Emirate, die die "Vereinigte Arabische Emirate" (VAE) bilden und das muß natürlich gezeigt werden. Ärmere Emirate wie z.B. Fujairah können sich überhaupt keine Begrünung leisten, wie wir bei unserer Osttour noch feststellen sollten. Wasser bleibt eins der Hauptprobleme des erst 1971 gegründeten Wüstenstaates. Der Grundwasserspiegel sinkt stetig durch die mittlerweile immer intensiver betriebene Landwirtschaft. Es bleibt daher nur die energiefressende Gewinnung von Trinkwasser aus dem Meer. Aber es ist bereits absehbar, wann die Ölquellen versiegen werden. Für Dubai nimmt man noch ca. 10, für Abu Dhabi allerdings noch 30 Jahre an. Die Oase ist erreicht; für mich jedoch eine Enttäuschung. Es ist vielmehr eine Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern, die eigentlich kaum was zu bieten hat.

Am interessantesten noch die 5000 Jahre alte Grabanlage, inmitten eines gepflegten Parks gelegen. Ohne Mörtel sind die Steine so genau zusammengesetzt, daß keine (fast keine) Messerspitze dazwischen paßt. Auch das exakte Rund der Anlage ist für die damalige Zeit mehr als erstaunlich. Die Öffnungen dienten dem Zutritt von kleineren Tieren zu den Leichnamen. Offenbar um Krankheiten vorzubeugen, ließ man die Toten lieber auffressen. Nach oben ist die Anlage ebenfalls offen. Es wird allgemein zwar von den Königsgräbern von Hili gesprochen, doch tatsächlich war dieser Bestattungsplatz nicht den Königen vorbehalten - sofern es denn welche gab -, sondern diente für alle Toten. Sehr viel weiß man aus dieser alten Zeit jedoch nicht. Die Fundstücke sind nur minimal. Wie ich allerdings aus der Zeitung entnehmen konnte, wurde gerade vor wenigen Tagen eine neue Stätte in Sharjah entdeckt. Dennoch ist man stolz, wenigstens etwas Geschichte aufweisen zu können und der Scheich von Abu Dhabi fördert in besonderem Maße das Interesse der Bevölkerung für die eigene Geschichte. Neben den Gräbern sind zudem die Grundmauern einer alten Behausung nachgebildet.

Auf der Weiterfahrt in die Stadt sehen wir erstmalig das Wahrzeichen der VAE. Es ist eine Kaffeekanne mit 7 Tassen und symbolisiert die Gastfreundschaft der Araber sowie die 7 Emirate: Neben Abu Dhabi und Dubai das ebenfalls ölfördernde, aber alkoholfreie Emirat Sharjah und die noch kleineren Emirate Ras al-Khaimah, Umm al Quwain, Ajman sowie das schon benannte Fujairah mit seinem Küstenstreifen am Indischen Ozean. (Der Buchstabe j wird dabei wie "dsch" gesprochen) Die Stadt Al Ain wirkt modern mit ihren breiten begrünten Straßen; Hochhäuser sind jedoch nicht vorhanden. Leider ist im Stadtbild nichts mehr zu sehen, was an die alten Karawanenzeiten erinnern könnte. Al Ain hat nämlich eine lange, mehrtausendjährige Geschichte als wichtigste Oase dieser Region. Denn die in früheren Zeiten und auch heute noch so gefürchtete Wüste Ar-Rub al-Khali, das sogenannte leere Viertel, ist nicht allzu fern von hier. Verständlich, daß dieser Platz immer wieder umkämpft war, mußten doch auch die umherziehenden Beduinengruppen Wasser schöpfen. Selbst in der Gründungszeit der VAE und auch noch danach gab es heftigen Streit um diese Oase. Ansprüche stellten sowohl die Saudis, deren Truppen sogar bis hierher gezogen waren, als auch der naheliegende Oman. Letztlich wurde Al Ain geteilt und der kleinere Teil mit dem Dorf Buraimi kam zum Oman. Saudi Arabien wurde mit einem Küstenstreifen an anderer Stelle entschädigt. Grenzstreitigkeiten gibt es heute allerdings noch mit dem Iran. Es geht um einige kleinere Inseln im Persischen Golf (hier natürlich Arabischer Golf genannt) auf denen Ölvorkommen vermutet werden.

Grenzformalitäten oder sonstige behördliche Probleme bestehen innerhalb von Al Ain aber erstaunlicherweise trotz der Teilung nicht. Der Grenzbaum zum Oman befindet sich erst außerhalb, südlich der Oase, so daß auch wir als Touristen völlig problemlos in den omanischen Stadtteil Buraimi einreisen können, was wir denn auch tun. Man sieht aber unmittelbar, daß im Oman das Geld bei weitem nicht so locker sitzt wie nebenan in den VAE. Es erscheint daher wesentlich ursprünglicher als alles, was wir bisher gesehen haben. Das betrifft sowohl die Baulichkeiten als auch die Menschen. Alte, teilweise jedoch schon verfallene Lehmhäuser werden sichtbar; die Häuser sind allgemein kleiner, ärmer und liegen enger beisammen. Mir gefällt`s aber besser. Einen leider nur kurzen Spaziergang unternimmt Julia mit der Gruppe in dicht mit Palmen bestandene Gärten, die durch Wasser aus dem 40 km entfernten Gebirge bewässert werden. Hier ist es wirklich lauschig und zudem noch schattig unter den Wedeln der Dattelpalmen; eine Idylle. Es erinnert Gabi und mich ein bißchen an die südalgerische Oase Djanet , in der es so herrlich ursprünglich war und an das Erlebnis, daß in jeder Dattel ein Würmchen hauste. Eine tief verschleierte Omanin wandert vorbei, die ich gerne fotografiert hätte. Es ist im Oman - wie auch in den Emiraten - jedoch problematisch, Frauen abzulichten; man sollte es besser unterlassen. Gerne wäre ich weiter rumgewandert, doch die Gruppe geht zurück. Um sie nicht zu verlieren, müssen wir uns notgedrungen anschließen.

Es geht zum kleinen Suq von Buraimi. Man soll dort vor allem alten Silberschmuck, Henna und Stoffe kaufen können. Nur 20 Minuten werden uns zum Rumstreunen gelassen. Warum bloß immer so wenig Zeit für die interessantesten Sachen, wenn man mit Gruppen unterwegs ist? frage ich mich. Der Suq ist wirklich nicht groß und enthält lediglich einen Längs- und kurzen Quergang in einem Flachgebäude. Kleine nach vorne offene Geschäfte reihen sich beidseitig aneinander. Jedes Lädchen führt aber nur entweder Stoffe oder Gewürze oder Schmuck usw.; sie sind alle auf bestimmte Warengruppen spezialisiert. Einige Verkäufer sitzen dagegen auf der Straße und bieten allerlei um sich ausgebreiteten Krimskrams an. Interessant auch, daß es ganze Geschäfte gibt, die haufenweise Gewehre älterer und auch neuerer Bauart sowie Flinten, Vorder- und Hinterlader im Angebot haben. Was wollen die Leute nur damit? Wirklich schießen oder lediglich als Dekoration oder als Zeichen ihrer Würde und Männlichkeit? Ich weiß es nicht. Allerdings bin ich mir sicher, es noch irgendwann zu erfahren. Denn das Sultanat Oman ist jetzt bereits als weiteres Fernreiseziel vorgemerkt.

So wichtig der Kauf und Verkauf für die Omanis auch sein mag, ebenso wichtig scheint ihnen offenbar aber auch der Kontakt und das Geplauder untereinander zu sein. Das eigentlich Faszinierende in Buraimi sind für mich jedoch die Typen, die hier so rumlaufen. Sie haben etwas aus Tausendundeiner Nacht an sich. Sie wirken geheimnisvoll düster mit ihren dichten schwarzen oder grauen Bärten, den dunklen Augen und den langen Kutten sowie ihren verschiedenartig gebundenen Turbanen.. Viele Gesichter sind so interessant und ausdrucksstark, daß ich sie am liebsten alle fotografieren wollte. Zumindest zwei, drei dieser abweisend erscheinenden Gestalten muß ich aber unbedingt in meinen Kasten bekommen. Ärgerlich, die Zeit drängt schon wieder. Ich benutze meine erfahrungsgemäß oft zum Erfolg führende Methode und versuche einen kleinen - wenn möglich lustigen - Plausch mit dem ausgesuchten Opfer. Und es klappt selbst mit diesen dem Märchen entsprungenen Muselmanen. Der sitzende, alte Verkäufer bittet sogar um einen Moment Geduld, um seinen silberbeschlagenen Vorderlader zu ergreifen und sich in rechte Positur zu bringen. Die Umstehenden müssen lachen und schon habe ich ein weiteres Opfer im Kasten. Jetzt aber schnell zurück zum Bus. Wie kaum anders zu erwarten, wir sind natürlich nicht vollzählig. Julia geht ihre fehlenden Schäfchen suchen und kommt mit dem Ehepaar zurück, das uns vorhin gefragt hatte, ob der Bus linksrum oder rechtsrum vom Suq stehe. Ich hatte ihnen rechtsrum geantwortet; offenbar hatten sie es nicht glauben wollen, denn sie gingen linksrum.

Wir passieren wieder die Grenze und alles wird weitläufiger. Vorbei geht's an einer der überall hervor- lugenden, weißen Moscheen. Sie hat nur ein Minarett; andere haben 2 oder 4. Eine Moschee mit 3 Minaretten habe ich hingegen nie gesehen. Möglicherweise verstößt es gegen einen Glaubensgrundsatz. Das alte Fort mit dem nebenan liegenden Museum ist alsbald erreicht. Tonscherben, Waffen, Kleidungsstücke, präparierte Tiere und schwerer Silberschmuck sind zu bewundern. Auch diverse Schwarzweißbilder aus der jüngeren, noch nicht durch das Öl beeinflußten Zeit sind ausgestellt. Gabi und ich wandern einmal rund und gehen wieder nach draußen in die Sonne. Gegenüber liegt das eher unscheinbare Lehmfort aus dem Jahre 1910 mit seinen 4 Türmen. Drin jedoch nur ein leerer Hof. Von der Mauer geht der Blick auf die Stadt. Eine rostige Eisenleiter ermöglicht sogar den Aufstieg im Turm. Die Rundumsicht über die Häuser und Palmenplantagen bis hin zum kahlen und schroffen Hajargebirge gefällt uns. Nächstes Ziel ist die Mittagspause im Hilton und 1 ½ Stunden sind dafür angesetzt, was mich natürlich fuchst. Viel lieber wäre uns ein einheimisches Lokal im Stadtzentrum gewesen. Auf das teure Buffet können wir - wie wohl auch alle anderen - verzichten. Da im Hotel keine Ecke zu finden ist, in der wir unser Brötchen mit Käse sowie Banane vom Frühstückstisch ungesehen essen können, setzten wir uns außerhalb auf ein Mäuerchen. Später halten wir uns notgedrungen noch in der Lobby mit den bequemen Ledersitzen auf, um irgendwie die Zeit rumzubringen. In der anderen Ecke sitzt ein Einheimischer in weißen Kaftan und telefoniert lautstark und ohne Unterlaß mit seinem Handy.

Endlich geht's weiter Richtung Kamelmarkt. Im Zentrum sehen wir die für die Emirate obligatorische Stadtuhr. Von hieraus werden stets die Entfernungskilometer zu anderen Orten gemessen, wie wir von Julia erfahren. Ein Palast des regierenden Scheichs von Abu Dhabi (oder doch eines Bruders oder Cousins der Sippe) zieht vorbei, dann die Universität von Al Ain. Über 50 % der Studenten sollen hier Mädchen und Frauen sein. Bedingt ist dies wohl vorwiegend dadurch, daß Eltern ihre Töchter - im Gegensatz zu den Söhnen - nur äußerst ungern im Ausland studieren lassen. Der Kamelmarkt mit Hunderten von Tieren taucht auf. Ich freue mich, diese Tiere wieder hautnah zu erleben; die Erinnerung an die Kameltour in Libyen wird wach. Erstmalig sehe ich fast schwarze Kamele; wenn ich mich recht entsinne, kommen sie aus dem Sudan. Etliche trächtige Stuten sind auch vorhanden sowie gerade frisch geborene Kälber, die sich kaum auf ihren langen Beinen halten können. Ein putziger Anblick. Ältere Jungtiere blöken jämmerlich nach ihrer Mutter, von denen sie hier offenbar erstmalig getrennt worden sind. Es stinkt im gesamten Marktbereich. Die angestellten Verkäufer sollen Afghanen sein. Und wie Julia erzählt, freuen sie sich immer riesig über Touristenbesuche, weil es eine willkommene Abwechslung darstellt. Etwas aufdringlich sind die Kamelhirten deshalb schon. Unseren Begleiter werden wir jedenfalls nicht mehr los. Auch hier werden die zu transportierenden Kamele einfach sitzend auf der Ladefläche der Autos festgebunden. Wie sie allerdings auf den kleinen Pickups in diese Stellung gebracht werden, ist mir schleierhaft geblieben.

Die 180 km bis zur Küste geht's auf der schon bekannten Autobahn wieder zurück. Ein Stop an die roten Dünen ist noch eingeplant. Von der naheliegenden Aussichtsdüne geht der Blick weit ins rötliche Hinterland. Es ist schön, eine solche Dünenlandschaft wieder zu sehen, wenn sie auch in keiner Weise vergleichbar mit dem libyschen Erg Ubari oder Murzuk ist. Verblüfft bemerke ich zwei arbeitende Planierraupen zwischen den Sandhügeln; sie schieben gerade eine tiefere Senke zu. Es kann doch wohl nicht wahr sein. Hat hier etwa der Onkel des amtierenden Scheichs und gleichzeitige Tourismusminister seine Hände oder besser seine Millionen im Spiel? Sind die Dünen gar nur für Touristen zusammengeschoben worden? - Unser Bus hängt hinter einem gemütlich dahinzuckelnden Kleinwagen und der Fahrer in weißem Nachthemd denkt nicht dran, Platz zu machen. Da es Bussen offenbar verboten ist, die einzige Überholspur zu benutzen, könnte und dürfte der Mufti vor uns nach links oder rechts ausweichen, wenn er denn wollte. Aber er will nicht. Irgendwann will er dann aber doch.

Ich freue mich, wir zweigen auf eine weitere Autobahn ab, die etwa am Freihafen, folglich südlich von Dubai einmünden müßte. Tatsächlich, unser Hotel wird als erstes angesteuert. Die Äuglein unserer Mitreisenden werden angesichts des ins Land hinausreichenden, grünen Golfplatzes und des herrlichen Palmenparks - ohne jegliche Baustelle weit und breit - immer größer, wie ich bemerke. Als Knaller noch: ein Pfau mit geschlagenem Rad steht in der Kurve. Gabi und ich wünschen den anderen denn gute Fahrt ins Hotel, steigen aus und wenden uns den blütenumsäumten Stufen in Richtung Hoteleingang zu. Der Bus mit frustriert und neidisch zurückblickenden Gesichtern macht sich schnell davon. Ich bin mir allerdings sicher, daß jetzt im Bus düstere Pläne wegen "Entgangener Urlaubsfreuden" geschmiedet werden. Und daß spätestens beim Anblick der Kräne, Bagger und Planierraupen um die eigenen Hotels, wild der Entschluß gefaßt wird, ihrem Reisebüro nochmals einen Besuch zwecks Wiedergutmachung abzustatten. Wir dagegen denken nur an ein kühles Helles.

Am Jachthafen ist bis 19 Uhr Happyhour, wie wir gestern schon festgestellt hatten. Bei 30 %-iger Verbilligung schmeckt das Bier auch besonders lecker und wir wollen es daher vor dem Abendschmaus zur täglichen Gewohnheit werden lassen. Bei den Jachten ist immer wenig Betrieb, obgleich sich jede einzelne Motorjacht wirklich sehen lassen kann. Tolle Dinger, insbesondere das Vielmillionending vom Oberscheich natürlich, in der sogar rund um die Uhr Personal beschäftigt ist. Ich kann mir das erhabene Gefühl des Scheichs vorstellen, wenn er in seinem luftigen, an höchster Stelle angebrachten und überdachten Pilotensitz Platz nimmt, den Gashebel langsam nach vorne schiebt, am niederen, gaffenden Volk des Hotels vorbeizieht hinaus aufs offene Meer und dann den Gashebel voll durchdrückt. Im einfachen, aber mit umsomehr Fernsehern (mit Sportsendern) bestücktem Gastraum ist auch nicht viel los: lediglich eine englische Gruppe, die Pfeilewerfen spielt und ein Pärchen, das sich eine Minute vor 19 Uhr noch schnell das 2. Bier bestellt. Wir jedoch bezahlen bzw. lassen aufs Zimmer schreiben. Denn ich habe immer noch keine Dirhams. Beim ersten Versuch eines Geldtauschs am Freitag (hier bedeutet es nämlich Sonntag) war die Hotelbank dunkel, beim nächsten Versuch am Samstag kam ich exakt eine Sekunde zu spät. Es ist allerdings auch kein Unglück, da Anschreiben oder Zahlung mit Karte in den Emiraten eigentlich überall möglich ist. Draußen ist es bereits dunkel und der Halbmond, in diesen südlichen Gefilden liegend als Schiffchen, steht am Himmel. Ein herzzerreißendes Miauen ertönt und ein Kätzchen drückt sich immer wieder um unsere Beine. Es will aber nur gestreichelt und beachtet werden.

Heute steht das Buffet unter dem Motto: Englischer Abend. Na, na !? Die Nationalitätenkarte wechselt täglich und mit ihr auch der Dress der Angestellten. Von der zierlichen Smokidame bekommen wir erneut den herrlichen Erker zugewiesen. Eine weitere, sehr aufmerksame Asiatin, die ich als Ceylonesin einstufe, macht ihre Honneurs: "welcome, beautiful lady, good man", zupft meine Serviette zurecht und ordnet nochmals das bereits bestens liegende Besteck. Begeistert bestätigt sie, tatsächlich aus Sri Lanka zu kommen. Das Essen wieder ein Genuß. Welcher Aufwand mag aber dahinterstecken: angefangen vom Import der meisten Waren bis hin zu dieser Bilderbuchdekoration. Den Porridge spare ich aus, nehme dafür lieber ein prächtiges, zartes Stück vom Puter.

Einige der umsitzenden Gesichter sind uns schon bekannt. Das schweizer Pärchen, bei dem offenbar er das zahlende Mitglied und sie die goldbehangene Schönheit ist. 2 Flaschen teuren Weins müssen's schon sein. Dort die österreichische Gruppe von Ricoh. 3 Frauen sind darunter, wovon 2 allerdings nicht auffallen. Die dritte ein rassisches Weib mit vorne und hinten was dran und sich ihrer Exotik voll bewußt. Ihr Gang zeigt`s. Der unnatürliche, strohblonde, reifere Pagenkopf füllt gerade ihren Teller mit Stückchen von Langusten und ganz hinten noch Frau Schmitt, die alte Dame, deren Mund nicht still steht und die bereits das 6. mal hier ist. Ein Opfer hat sie an ihrem Tisch gefunden, das sich nicht mehr davonstehlen kann. Auch die nette Frau aus Chemnitz mit ihrem leichten sächsischen Dialekt macht die Runde um den Tresen. Ihren Mann sehe ich von hier aus nicht; es ist ein ehemaliger Metzger sowie Westler und heutiger Vertreter für alles was in Würste gehört. Unser Magen ist schon längst übervoll, doch das eine oder andere muß noch sein. Meine Erkundigungen bei der Reiseleitung haben im übrigen ergeben, daß das Buffet voll in die Halbpension eingehe. Lediglich in den Restaurants müsse der Überschuß über das Normalessen beglichen werden. Aber warum sollten wir in Restaurants essen bei diesen phantastischen, jeglichen Geschmack zufriedenstellenden Buffets? Tatsächlich haben wir denn auch kein einziges mal woanders gespeist.

Ein neues Bierchen wird bestellt; es gefällt uns hier einfach zu gut mit dem wunderschönen Blick nach draußen. Die meisten Gäste sind schon längst weg, nur wenige sind verblieben. Dennoch wird ein weiterer riesiger, gebratener Puter hereingeschleppt. Ja natürlich… mir fällt wieder mein Erlebnis auf der philippinischen Insel Stanta Rosa 1980 ein, als ich sage und schreibe einzigster Gast in einem großen Strandhotel war. Schon bei der Ankunft (gegen Abend) war ich äußerst erstaunt, von mindestens 50 Angestellten am Strand herzlichst empfangen zu werden. Als ich eine Stunde später im großen Eßraum mit dem gewaltigen Buffet erschien, saß ich peinlich allein. 4 freundliche Kellner blieben in respektvoller Entfernung um meinem Tisch, der Rest der umfangreichen Besatzung weiter entfernt. Auf meine Frage, wo denn nun die anderen Gäste blieben, kam`s dann heraus. "Und für einen einzigen Gast ein solch riesiges Buffet?" stammelte ich. "Was von einem Buffet übrigbleibt, bekommen immer die Angestellten." war die wirklich überzeugende Antwort.

Morgens ist der Himmel erstmalig stark bedeckt. Zwei Briefchen sind wieder durchgeschoben. Eins lädt uns für Dienstag Abend zum Sektempfang ein, was wir gerne wahrnehmen wollen. Das andere enthält freundliche Grüße der deutschen Gästebetreuung. Die Tageszeitung ist ebenfalls schon da. Gemütlich machen wir uns im großen Badezimmer, mit seinem Interieur von Schlappen, Bademänteln, Handtüchern und Fläschchen für alles und jedes, fertig. Da es immer noch kräftig bezogen ist, entschließen wir uns zu einen ausgiebigen Strandspaziergang. Die weit entfernt liegende Landspitze, die genau den Sonnenuntergang markiert, hat es uns angetan. Gut eingecremt mit (hier notwendigem) Faktor 20 und hautbedeckt wandern wir los. Vorbei geht's an den kleineren Hotelgebäuden mit den Luxusappartements. Der 700 m lange Hotelstrand wird durch große Steinblöcke abgesteckt, es ist aber kein Problem durchzukommen.

Nun beginnt der wirklich nicht mehr enden wollende öffentliche Strand. Linksseitig zuerst noch das kleine Dörfchen mit Moschee für die Hotelangestellten. Nationalitäten aus der ganzen Welt leben hier zusammen, denn Inder, Pakistanis, Schwarze, Philippinos, etc. sind ja im Hotel beschäftigt. Wirklich Arbeitende sind in den Emiraten im Wesentlichen wohl die Gastarbeiter, die Einheimischen mehr die Chefs. Das unglaubliche Verhältnis soll bei ca. 80 % Ausländern zu 20 % liegen. Probleme sind dennoch nicht erkennbar. Allerdings herrschen auch strenge Sitten. Wer als Ausländer arbeitlos oder kriminell wird, streiken will oder sonst irgendwelche Schwierigkeiten bereitet, wird kompromißlos ausgewiesen. Soziale staatliche Wohltaten, wie sie in Deutschland für Ausländer üblich sind, wären hier undenkbar. Ausländer haben für sich selbst Vorsorge zu treffen mit Ausnahme der Krankenfürsorge, die für alle - selbst für Touristen - praktisch kostenlos ist. Daß die Ausländer dennoch hier bleiben, sich sogar fast drum schlagen, herkommen zu dürfen, zeigt überdeutlich, daß beide Seiten klare Vorteile daraus ziehen. Auch ist es in den Emiraten völlig selbstverständlich, daß immer zuerst die Einheimischen das Vorrecht haben. Soll z.B. eine Arbeitsstelle neu besetzt werden heißt die festgelegte Reihenfolge: Emirati, Araber, Sonstige. Kriminalität gibt es in den Emiraten so gut wie keine. Selbst im Hafenviertel der quirligen Stadt Dubai hatten wir denn auch keinerlei Bedenken herumzuspazieren. "Felix Arabia! "

Der Strand ist auf der gesamten Strecke fast menschenleer. Nur 3 Pärchen aus dem Hotel begegnen uns. Dafür werden wir von einem Hund begrüßt, was uns riesig freut. Die letzten Meter wartet er allerdings erst mal ab, ob wir ihm auch freundlich gesinnt sind. Dann rennt er den Strand weiter ab. In regelmäßigen Abständen wurden strohbedeckte Carports für Badelustige - die allerdings nicht da sind - aufgebaut. Auch ein gähnend leeres Restaurant wartet. Weit am Meereshorizont sind einige, wenn auch stets nur wenige Schiffe auszumachen. Es sind gewaltige Containerschiffe oder Riesentanker. Erstaunlich aber, daß der Freihafen so selten angelaufen wird, auch an den Folgetagen. Haufenweise Muscheln in allen Farben sind an den Strand gespült; die Schönsten sammeln wir auf. Es ist herrlich hier entlang zu wandern. Der Himmel sieht jedoch eigenartig aus. Teilweise haben sich dunkle Wolken zusammengebraut. Zwischendurch meinen wir sogar, einen hauchfeinen Tropfen zu verspüren. Doch die Wolken lösen sich immer wieder auf und die Sonne kommt durch. Ganz unmöglich wäre Regen gerade in den beiden Monaten Januar und Februar aber nicht; es sind die Regenmonate. Die Landzunge kommt näher. Auch verschiedene Gebäude stehen dort. Es sind drei Luxusferienbungalows von irgendwelchen Scheichs, wie wir dann feststellen. Feinster Sand hat sich hier abgelagert und Gabi legt sich genüßlich hinein. Eine gute halbe Stunde bleiben wir hier. Der breite Strand geht endlos weiter, wir wandern aber wieder zurück. Es sind über zwei Stunden bis zum Hotel.

Der Sektempfang am Dienstag Abend hindert uns, den Jachthafen aufzusuchen. Es wird zwischen den Pools ausschließlich Schampus mit diversen, leckren Häppchen serviert. Das Glas ist kaum leer und schon wird nachgeschenkt. Wer wollte, könnte sich hier mit Champagner glatt besaufen und das noch in allerbestem Rahmen unter Sternenhimmel.

Heute, am Freitag, steht die Osttour auf dem Programm: Über Sharjah an den Indischen Ozean. Also erneut vorbei am Schießstand (auch das bietet unser Hotel) bis zur Hotelstraße am Jumeirah-Beach, in der wieder Gäste gesammelt werden. Auch zwei Scheichbrüder haben hier ihre beiden Paläste mit Palmenpark hingestellt. Eine der schönsten Moscheen, die ich je gesehen habe, grüßt uns. Über die 8-spurige Autobahn mit dichtem Verkehrsgetümmel wird Dubai gequert. Viele Luxuskarossen, fast ausschließlich deutscher Herkunft wie Mercedes, BMW und auch Audis in denen nur Kaftane sitzen, überholen uns; die niederen Klassen meist Japaner. Nur wenige Kilometer Wüstenfläche und Sharjah-Stadt beginnt bereits. (Hauptstadt und zugehöriges Emirat sind stets namensgleich.) Es sieht allerdings nicht anders aus als Dubai, also modern, großzügig und gesichtslos. Ein riesiger Kreisverkehr wird umrundet. Er ist von repräsentativen Gebäuden umgeben und in der Mitte steht ein in Stein gehauenes, geöffnetes Buch: natürlich der Koran. Gäste aus Sharjah und Ajman steigen zu, darunter ein schweizer Pärchen Ende 20 und vornehm in weißem Dress. Stopp am internationalen Flughafen von Sharjah, gerade mal 30 km von Dubai entfernt. Verrückt. Drei weiße Kuppeln, je eine für Ankunft, Abflug und Transit. Abflug ist unser Pissoir, denn alles rennt dorthin. Die feine Schweizerin als erste. Wie Gabi erzählt, zuckte sie allerdings beim Anblick der Toilette wie von der Tarantel gebissen zurück und stieß fassungslos aus: Was ist denn das? Es war schlicht eine normale, besonders hygienische Toilette ohne Sitz. Der Vortritt war Gabi grad recht. Wie's bei der Schweizerin weiterging, werde ich wohl nie erfahren. Jedenfalls war ihre blütenweiße Hose makellos geblieben. Bei der Ankunft im Hilton zur Mittagspause ist sie jedoch wieder die Erste.

Hochinteressant, vor dem Gebäude einige Scheichs mit etlichen Falken. Wie wir hören, befindet sich in Dubai das weltweit einzige Falkenhospital. Aus allen Ländern der Erde kommen die Falkner hierher, um ihre kostbaren Vögel behandeln zu lassen; und es ist in den Emiraten für Fluggesellschaften Pflicht, die Vögel im Passagierraum mitfliegen zu lassen. Es sind schon tolle Tiere mit ihren weichen Gefieder - wie Gabi durch Streicheln feststellt - und den glasklaren, wachen Augen. Meist sind die Augen jedoch durch Häubchen bedeckt, um sie nicht aufzuregen. In früheren Zeiten waren die Vögel hier sogar fast lebenswichtig; sie versorgten die Beduinen in der Wüste mit Frischfleisch von Niederwild. Heute dienen sie allein dem Hobby. Die Halbwüste hat uns wieder. Eine große Oase wird durchquert, in der viel Obst und Gemüse gedeiht. Das absolut kahle, rötliche Hajargebirge naht und umgibt uns dann. Wir erreichen den mitten in den Bergen abgehaltenen, bunten Freitagsmarkt bei Masafi, der wirklich alles an Früchten und Grünzeug bietet. Das Gebirge fasziniert mich in seiner Kahlheit und der schroffen, kantigen Gesteinsart. Ein Halt wird eingelegt, um uns einen Blick in eins der tiefen Waditäler zu gestatten. Die Höhe der umliegende Berge kann ich allerdings überhaupt nicht abschätzen. Die maximale Höhe des Gebirges soll bei ca. 1800 m liegen.

Der Flußlauf, dem wir folgen, hat sich tief eingeschnitten, fast senkrechte Wände. Und er muß immer noch Feuchtigkeit führen, denn die Kronen von Palmen lugen sogar heraus. Teilweise wird noch Wasser nach oben gepumpt, um höhere Felder zu bewässern. In der Ferne taucht der mediterran anmutende Fischerort Dibba am blauen Indischen Ozean auf. Historisch bedeutend ist er, weil hier 633 die letzte Schlacht geschlagen wurde, mit der die islamische Eroberung der Arabischen Halbinsel abgeschlossen wurde. Ein Kuriosum zudem, das Dörfchen ist dreigeteilt, je ein Teil gehört zu Fujairah, Sharjah und zum ausländischen Staat Oman. Der nördlichste Zipfel der Halbinselecke mitsamt des wichtigen Ausgangs aus dem Persischen Golf, der Seestraße von Hormus, ist ebenfalls omanisches Staatsgebiet. Dieser gebirgige Zipfel heißt "Musandam" und beherbergt nur einige kleinere Dörfchen. Liebend gerne hätte ich dorthin einen Abstecher gemacht, denn die Berge wirken gewaltig. Wir aber fahren jetzt südwärts weiter, ohne Dibba zu besuchen. In großer Entfernung auf dem Meer ankern massenhaft Schiffe, vorwiegend Tanker. Ich zähle über 50 Schiffe. Jedoch nur eins sehe ich während der ganzen Zeit in den Hafen einlaufen. Eine Öl-Pipeline wurde aus Sicherheitsgründen während der 80-ger Jahre (wegen der Probleme im Iran und Irak) vom Golf durch das Gebirge nach hierher gebaut.

Nächster Stopp bei Badiyah an der ältesten Moschee der Emirate, über 300 Jahre alt. Unmittelbar dahinter auf einem Hügel noch 2 erhaltene Beobachtungstürme aus portugiesischer Zeit. Die Moschee, klein, weiß gekalkt und ohne Minarett. Außer mir genießen nur zwei weitere Gäste den herrlichen Rundumblick vom Turm übers Meer bis ins Gebirge. Gabi kommt noch hinzu. Die anderen sind wohl zu alt, zu faul oder zu fein, um hochzukrabbeln. Übliche Touristen in den VAE sind denn auch Herrschaften von 40 an aufwärts. Khor Fakkan mit seinem wunderschönen, riesigen Strand gehört als Exklave wiederum zu Sharjah und hat dementsprechend einen grünen Straßenmittelstreifen. Fujairah selbst dagegen ist arm und lebt im wesentlichen vom Fischfang, Datteln, Zitrusfrüchten, Gemüse und Tabak sowie als landschaftlich schönstes Emirat auch vom Tourismus. Viele Reiche aus den anderen Emiraten haben ihre Freizeitvillen hier gebaut. Außergewöhnlich, manche Häuser sind exakt doppelt erstellt und von nur einer einzigen Mauer umgeben. Sie gehören den Scheichs, die 2 Frauen ihr Eigen nennen. Es können aber auch 4 sein. Unabdingbare Voraussetzung nach dem Islam ist jedoch, daß alle Frauen in allem absolut gleich behandelt werden, insbesondere auch im Gefühlsleben. Das scheint wohl das Problem, da die meisten Männer heute nur eine Frau haben. Auf meinem Hochsitz werde ich von den Lautsprechern einer Moschee beschallt. Es ist aber nicht der Muezzin, der zum Gebet ruft, sondern ein eigenartiger Zwiegesang. Unpassend auch die Zeit, denn der Allahdiener ruft bei Sonnenauf- und Untergang sowie Mittags und Nachmittags. (In Luxor darüber hinaus auch nachts um 4 Uhr, wie ich 1984 kerzengerade aufgeschreckt aushalten mußte. Die nebenan liegende Moschee hatte ihren Lautsprecher genau auf mein Zimmerfenster ausgerichtet.)

Die Mittagspause wird in Fujairah-Stadt gemacht. Das kleine Hilton hat einen häßlichen, schwärzlichen Strand und Gabi und ich sind froh, daß die wieder mal lange Pause beendet wird. Draußen windet es jetzt heftig; auch Sand wird angeweht. Die Stadt bietet - wie üblich in den Emiraten - nichts. Ein einziges enormes Hochhaus steht noch im Rohbau. Wir halten an einer alten, kleinen Festung, die gerade renoviert wird. Außenrum sind noch die Grundmauern der ehemaligen Lehmhäuser erkennbar. Auf der Autobahn geht's zurück ins Gebirge. Links ein Stausee, jedoch ohne Wasser. Als nächstes ein Halt in einem großen Tal mit wunderschön gelegener, dattelpalmenbewachsener Oase. Ein Fort mittendrin bewachte in früheren Zeiten diesen einzigen Durchgang durchs sonst unzugängliche Gebirge. Auch hier der Flußlauf tief eingegraben. Denn wenn's mal regnet, dann ist Holland in Not und das Wadi wird tödlich. Die Rundfahrt endet im wahrsten Sinne des Wortes wieder am Freitagsmarkt. Der Rest der Reise ist schon bekannt, bis auf den Umstand, daß unserer Fahrer in Sharjah diesmal 5 Runden um das steinerne Koranbuch kurvt.

Wir kommen diesmal als Letzte ins Hotel, jedoch noch pünktlich zur Happyhour. Das uns schon bekannte Pärchen bestellt sich wiederum kurz von 19 Uhr das zweite Bier und ißt erneut hier am Hafen. Eine solche Kasteiung kann - wir haben uns tiefe Gedanken gemacht - eigentlich nur dadurch verständlich werden, daß keine Halbpension gebucht worden ist. Sie tun uns bitter leid und wir grüßen sie ab jetzt. Nebenan sitzen zwei in Schwarz umhüllte Matronen, leider jedoch ohne Schleier. Bei ihren wenig sympathischen Gesichtern wäre uns ein Vorhang durchaus lieber gewesen. Die Bewertung der Gesichtsschleier jedenfalls sehen wir nunmehr erheblich differenzierter. Eine völlig gelangweilte, junge Asiatin ist dazu verdammt, auf die drei frechen Gören der Herrschaft aufzupassen. Sie muß offenbar immer bei ihnen bleiben und sogar Tischtennis spielen. Jeweils Aufschlag und der andere läuft dem auf dem Boden davonhüpfenden Ball hinterher; die eine Seite freudig kreischend, die andere immer langsamer werdend. Beim Abmarsch bekommt das Kindermädchen noch die vollen Plastiktüten in die Hand gedrückt und muß mit den Kindern vorweg laufen, während die Herrschaft behäbig folgt. Auch wir gehen zurück; diesmal ein schwarzes Kätzchen, das schnell zwischen unseren Beinen durch die Tür witscht, von einer zweiten dann aber aufgehalten wird. In der Eingangshalle treffen wir die beiden Chemnitzer, die gerade eine Goldkette für 1.200,--DM erstanden haben. Sie ist wahnsinnig stolz drauf, läßt das Geschmeide durch die Hände gleiten und zeigt, daß aus der Kette noch ein Armband abgekoppelt werden kann. Wir bewundern alles gebührend und denken, im teuren Hotelshop hätten wir es nicht gekauft. Im wieder bestens hergerichteten Zimmer neue Post, neue Leckereien und die obligatorische Wasserflasche, von der schon 4 angesammelt sind.

Große Probleme sehe ich heute allerdings noch auf mich zukommen, denn Italienischer Abend ist angesagt. Wo soll ich bloß die so sehr geliebten, aber doch so sättigenden Spaghettis unterbringen? Aber irgendwie habe ich das Problem gelöst. Erstmalig erscheint auch ein Scheich mit schwarzgewandeter Frau. Keusch zu Boden blickend (so daß ich ihr Gesicht leider nicht recht sehen kann) und in gehörigem Abstand folgt sie dem weißen Kaftan bis in die letzte Ecke des Raumes. Sie ist schlank, offenbar sehr jung, hat einen ausgesprochen blassen Teint, jedoch rot geschminkte Lippen. Er, ein gut aussehender Mann - wie Gabi sagt - in reifem Alter. Die Essenshäppchen vom Buffet bringt er ihr, so daß ich sie wieder nicht sehen kann. Mit einem Ruhrpottehepaar sind wir noch zu einem Bier verabredet und warten in der Halle auf die beiden. Gerade kommt ein neues Pärchen mit drei Koffern an. Die Zimmerzuteilung an der Rezeption dauert. Mir schwant, ich sehe zwei heiße Anwärter auf Zimmer 138.

Die Bar hatten wir bisher immer gemieden, da es zu laut daraus tönte. Eine kleine, stämmige auf hohen Sohlen stampfende Philippinosängerin gibt hier ihr bestes und hinter ihr - ich dachte stets es sei eine ganze Band - nur einer, der die Elektronik bedient. Ich staune nicht schlecht; das Scheichpärchen kommt ebenfalls, verzieht sich zu meinem Leidwesen aber gleich in die entgegengesetzte Ecke. Die beiden Hattinger bekunden ärgerlich, daß ihr Zimmer exakt über uns liege und sie deshalb bis 24 Uhr immer hier unten blieben; an Schlaf sei vorher nämlich nicht zu denken. Also auch Zimmer 163 rechne ich schnell durch und sinniere: Für die ganze Rezeption müßte es wohl immer einen besonderen Nervenkitzel darstellen, wenn bei Zimmerknappheit mit Pokermiene 138 oder 163 vergeben wird: Kommt nun eine wilde, bösartige Reaktion oder nicht? Und die Spannung dürfte unerträglich werden, je länger die Zeit ab der Zuteilung andauert.

Am Strand ist es wieder herrlich; wir genießen. Ich lese die Zeitung und schmökere in den beiden Büchlein über die Emirate. Daß die VAE keine Demokratie ist, war mir schon klar geworden. Hier bestimmen allein die 7 gleichberechtigten Scheichs. Besonders gleich allerdings der Scheich von Abu Dhabi, da er der größte Geldgeber innerhalb der VAE ist. Das Volk wird hingegen ruhig gehalten durch entsprechende Wohltaten. Ärmere Emiratis sowie unverheiratete Frauen ab 40 erhalten z.B. freies Wohnen, Strom und Wasser. Die Scheichs sollen aber beliebt sein. Das Alkoholverbot in Sharjah ginge auf die Saudis zurück. Das Emirat hatte sich nämlich beim Ausbau seiner touristischen Infrastruktur übernommen und Saudi Arabien war nur zur Hilfe bereit, unter der Auflage eines Alkoholverbotes. Hierdurch dürfte wohl der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben worden sein. Ich bemerke eine Mutter, die immer verzweifelter ihre beiden Kinder - auch auf`s Meer schauend - sucht. Ich erlöse sie und zeige auf die zwei gegeneinander gestellten Sonnenschirme, unter denen sich die Kinder verkrochen haben; dem Spiel der Kinder hatte ich lange zugeschaut. Immer wieder tönt die Melodie von irgendwelchen Handys am Strand; es wird offenbar kräftig nach Hause telefoniert. Gegen 4 Uhr kommt wie üblich Wind auf und es wird merklich kühl. Der liegende Sonnenschirm dient ab jetzt als Windfang. Spätestens um 5 Uhr wird regelmäßig das Feld geräumt und die warme Dusche wartet. Heftiges Pfauengeschrei draußen. Es ist Fütterungszeit. Die heranrennenden Pfauen nehmen kein Ende, es sind mindestens 40 bis 50, wie ich erstaunt feststelle. Selbst vollgefressen schwingen sie sich anschließend noch auf die dichten Büsche und können dort sogar stehen.

Heute nehmen wir uns endlich vor, mal mit dem kostenlosen Shuttlebus nach Dubai-Stadt reinzufahren, um den Goldmarkt zu besuchen. Gabi hat nämlich noch einen uneingelösten Gutschein von Weihnachten für Goldschmuck nach freier Wahl in Dubai. Um 16 Uhr ist Abfahrtszeit. Drei Minuten vorher wird der Knopf des Aufzugs für Parterre gedrückt; die Tür schließt und das war's. Der Alarmknopf macht's auch nicht mehr. Gott sei Dank bemerkt Gabi eine Klappe mit dahinterstehendem Telefon, das unseren Hilferuf weitergibt. Schon bald öffnet sich auch die Außentür per Hand und wir sausen über die Treppe nach unten. Den Bus erreichen wir im allerletzten Moment. Erster Stopp am feudalen Einkaufszentrum; wir fahren aber weiter zum Goldmarkt im älteren Teil von Dubai. Genau merke ich mir die Haltestelle für die Rückfahrt um 20 Uhr. Und tatsächlich, Goldgeschäfte eines neben dem anderen. Und in allen Geschäften Betrieb. Verschleierte, Unverschleierte, Einheimische, Touristen, Gastarbeiter und Afrikanerinnen sind da und alle lassen sich Goldschmuck in jeder Form und Ausführung zeigen, wählen hin und her; offenbar wird aber auch kräftig gekauft. Es gibt jedoch nur Gold von der Art, welches Gabi und ich nicht so sehr schätzen. Es ist das kräftigfarbene, auffällige Gold, wie es insbesondere von Südländerinnen und Afrikanerinnen bevorzugt wird. Zudem geht die Machart mehr in Richtung Modeschmuck: auffällig, jedoch nicht so recht fein und filigran. Dennoch lassen wir uns einiges zeigen. Entscheiden können wir uns allerdings nicht. Lediglich das Visitenkärtchen wird mitgenommen mit dem Versprechen, nochmals zu überlegen. Sofort fällt der Preis und landet bei 1.200,--DM. Der Betrag kommt mir irgendwie bekannt vor.

Die holzüberdachte Goldstraße lassen wir hinter uns und erreichen den Creek, arabisch Khor. Er erscheint wie ein Flußlauf, tatsächlich ist es jedoch nur eine die Stadt teilende Meeresbucht. Wir sitzen eine Zeitlang am Kai und beobachten das bunte Gewimmel auf dem Wasser. Viele Abras (Wassertaxis) tuckern hin und her und entlassen ihre Menschenfracht an den Anlegestellen; es sind nur die Kaistufen, die von allen in Windeseile erklettern werden. Die Abras selbst sind uralt und man sitzt außenrum ohne Lehne und mit Blick aufs Wasser. Nur der Fahrer steht in einer Bootsvertiefung und hofft dort innig, daß der rußende Dieselmotor nicht schlapp macht. Auch die meisten anderen Schiffe reif fürs Museum. Es sind im wesentlichen altersschwache Holzkähne mit weit nach oben gezogenem Bug. Sie dürften schon so einiges erlebt haben, denn sie sollen ihre Fracht sogar bis nach Persien, Pakistan oder Indien bringen. Mich hätte jedenfalls keiner zu einer Mitfahrt verleiten können.

Der Blick auf die andere Seite bei der nunmehrigen Abendstimmung gefällt uns. Ein relativ flaches Häusermeer, das nur von den Minaretten überragt wird. Den Creek rauf allerdings dann die hypermoderne Skyline von Dubai. Wir wandern ein Stück die Uferstraße entlang und tauchen anschließend in das Straßengewirr des Textilmarktes ein. Gerne hätten wir uns jetzt in ein kleines Restaurant oder Kaffee gesetzt, doch das ist hier absolute Fehlanzeige. Und auch ein Bierchen ausgeschlossen. Ein kurzer Rundgang wird noch im nebenan liegenden, recht leeren Gewürzmarkt gemacht; dann geht`s wieder zurück zur Haltestelle. Mit einem flotten Pärchen aus Essen komme ich ins Gespräch. Sie hatten einen Erbstück-Brilli mitgebracht, den sie hier in einen Ring fassen ließen. Und auch weitern Schmuck haben sie erstanden, für - ich will es nicht glauben - 1.200,--DM. Wir verabreden uns für später in der Bar, da sie auf das Abendessen verzichten wollen; sie hätten schon in der Stadt was gegessen. Gabi und ich stürzen uns dagegen in die Arabische Nacht. Ein im Erker sitzendes Pärchen scheint hier die Flitterwochen zu verbringen. Nur Schampus wird geordert und sie himmelt ihn an, lauscht auf jedes seiner Worte und gibt Küßchen hier und da.

Schon von weitem hören wir die Sängerin, jetzt als energiegeladene Tina Turner. Die neuen Bekannten sitzen am Tresen und unterhalten sich … mit dem Scheich. Leider ohne seine Sulaika. Auch die beiden Hattinger erscheinen; wir verstehen`s. Wie ich zwischendurch von Petra erfahre, ist die blasse Sulaika mit den roten Lippen nicht die Frau des Scheichs, sondern seine Freundin. Es haut mich fast um, hatte ich von den Allahgläubigen doch bedingungslose Treue bis in den Tod erwartet.

Ein Problem bleibt für mich allerdings noch zu lösen. Denn die Frauen eines Scheichs sind in den Emiraten nicht nur unumschränkte Herrscherinnen seines Heims, sondern schlimmer, auch die Finanzminister. Wie aber kann dann unser bedauernswerter Scheich dennoch sein Hotelzimmer mit der blassen Sulaika und zudem schon die zweite Runde für uns alle finanzieren, ohne Mißtrauen im Harem zu erwecken? Es kann eigentlich nur eine dringende Geschäftsreise sein, die der fleißige Scheich hierher unternommen hat. Und die vielen Biere auf der im Harem vorzulegenden Rechnung weisen denn eindeutig auf angebahnte, ausgezeichnete Geschäftskontakte mit dem Ausland hin. Sein Harem wird zufrieden sein. Auch wir wanken zufrieden in dem Bewußtsein, dem Scheich mit der Annahme der Runden einen großen Gefallen getan zu haben, ins Bett. Wir schlafen prächtig und es macht uns nichts mehr aus, daß wieder zwischen 1 und 4 Uhr die Klospülung abgestellt ist.

Ein sonniger Tag wartet erneut auf uns. Die beiden Essener (Petra und Udo) haben es sich nebenan bequem gemacht. Auch die Flitterwöchner sind in unserer Nähe und werden stetig von dem zwischen den Palmen herumfahrenden "Grashopper" mit Cocktails, Fritten usw. versorgt. Mit Blick durch die Palmwedeln aufs Meer erkundigt sich Petra gerade per Handy bei ihrem Vater, ob er denn das Pflanzengießen nicht vergesse. Salemaleikum nach Hause. Die beiden haben über ihre Firma ein saugünstiges Angebot für dies Hotel wahrnehmen können, allerdings ohne Halbpension. Es macht ihnen aber nichts aus, wie sie sagen. Abends essen sie deshalb "à la carte" ein übersichtliches Steak im Buffetraum. Udo holt sich zum würdigen Abschluß vom Desserttresen 2 Gläschen mit roter Grütze und weißem Sahnehäubchen. Der aufmerksame, sofort herbeigeeilte Kellner bedeutet ihm 8,50 DM pro Stück. Udo stochert in seiner Grütze, Petra läßt ihre vor Wut stehen.

Wir freuen uns, Udo wird heute 50 und Gabi und ich sind die ersten, die ihm gratulieren können. Gemütlich räkelnd nimmt er dann per Handy die weiteren Gratulationen aus dem 4.750 km fernen Deutschland entgegen. Ein Cocktail wird von ihm spendiert und das Hotel macht die rote Grütze mit weißem Sahnehäubchen durch ein ganzes Sahnetörtchen (mit ausschließlicher Betonung auf Sahne) wieder gut. Es wird uns Vieren am Strand mit Kaffee serviert. Erstmalig lernen wir heute zufällig auch das französische Restaurant ganz oben kennen. Schuld ist der 4. Aufzug, der offenbar stets bis oben durchrauscht. Ein herrlicher Rundblick aus dieser Höhe. Noch einmal fahren wir nach Dubai rein, um auch die andere Creekseite und eine abenteuerliche Abra-Fahrt kennenzulernen. Zusammen mit den Essenern steigen wir am feudalen - der Köpassage vergleichbaren - Einkaufszentrum aus. Mit dem Taxi dann zum Hafengebiet. Berauscht hat mich diese Seite ebenfalls nicht, die Überfahrt mit dem uralten Abra über den Creek ist aber ganz lustig.

Wir haben noch mehr als eine Stunde Zeit. Eine Sitzbank im Goldsuq wird gerade frei und jetzt lassen wir die anderen laufen. Es wird unerwartet eine der interessantesten Stunden der ganzen Reise. Menschen aus wirklich allen Ländern der Erde laufen hier rum. Fasziniert sehen wir eine tief in schwarz Verschleierte mit nur einem schmalen Augenschlitz, jedoch mit großer goldener Brille davor. Es wirkt unglaublich. Eine verschleierte Alte latscht mit bloßen Füßen vorbei, ihr drunter befindlicher Rock fegt dabei die Straße. Gewaltige, in bunteste Stoffe eingehüllte Afromammis schleppen haufenweise Plasiktüten davon. Ein indischer Sikh-Bube hat statt des dekorativen Turbans die ihm nur zustehende Wollmütze mit dem undekorativen Knötchen drauf übergezogen. Zusammen mit der Gasmaskenbrille hat er das typische Ohrfeigengesicht. Touristen unpassend in kurzen Hosen und Hemden. Weiße oder andersfarbige Kaftane, lang oder kürzer, mal mit unten rausschauender Hose oder auch nicht. Turbane in allen Farben und Formen, wenn auch heutzutage leider nicht mehr einzelnen Ländern zuordenbar. Auch Soldaten, oft aus dem Oman angeworben, kommen vorbei. Und Polizei in dickem Mercedes patrouilliert das Ganze. Wir hätten Stunden hier sitzen können.

Aber alles geht irgendwann mal vorbei. Auch unsere Reise nach Dubai. Die Rechnung des Jebel Ali Hotels ausschließlich für die Getränke fällt erfreulich geringer aus als eigentlich erwartet. Die Reisekosten dürften somit insgesamt bei ca. 10.000,--DM für uns beide gelegen haben. Das Taxi steht gegen 22.30 bereit, ein wehmütiger Blick zurück auf das warm angestrahlte Haupthaus, vorbei am Freihafen, dem kaum auszumachenden Berg Jebel Ali - unserem Hotelnamensgeber, den Hochhäusern und noch eine letzte Zigarette vorm Flughafengebäude. Unser Abfertigungsschalter öffnet dummerweise als einziger nicht; vor den anderen stehen viele Senegalesen mit gewaltigen Koffern und sonstigem Drum und Dran. Eine völlig aufgelöste dicke Senegalesin rennt mich fast noch um. Der Transitbereich ein einziges riesiges Nachtlager; unwürdig für Dubai. Einen Tisch ergattern wir dennoch mit wechselnder Besetzung u.a. drei russischen Mädchen, die kräftig eingekauft haben. Dann folgt ein Scheich mit schwarz Gewandeter, die Salat essen und das Grünzeug dabei auf dem ganzen Tisch verteilen. Er fordert mich sogar auf, mitzuessen, was ich aber dankend ablehne. Interessant, wie schnell so ein Vorhang fürs Essen auf- und zugehen kann. Nur beim Trinken konnte ich das blasse Gesicht genauer sehen. Gegen 2.30 heben wir endlich ab. Dubai grüßt noch ein letztes Mal mit seinem Lichtermeer. Über den Golf, den Iran mit Isfahan und Täbris, die äußerste Nord-Ostecke der Türkei, das Schwarze Meer, Rumänien und den Plattensee geht der Flug diesmal. Die Kaugummis bleiben wiederum in der Tasche. Um 10.00 Uhr morgens schließen wir müde die Wohnungstür auf, denken aber zurück an eine

wirklich wunderschöne, erholsame Urlaubsreise in den Emiraten.

Eingangsseite vom Bericht von Dubai

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